KVHS Saarpfalz Programm 2022/2023

9 KREISVOLKSHOCHSCHULE SAARPFALZ-KREIS, PROGRAMM HERBST 2022 / FRÜHJAHR 2023 DIE BARBAREN SIND DIE ANDEREN. WIE EIN DENKMUSTER GESCHICHTE PRÄGT. Schon in der Antike haben Menschen andere als Barbaren abgewertet, um sich selbst aufzuwerten. Der Barbar war in der Regel der negative Gegenentwurf zum zivilisierten und kultivierten Hellenen oder Römer. Die sogenannten Barbaren waren in ihren Augen all das, was sie selbst in ihrer Eigenwahrnehmung nicht waren: wild, grausam, gesetzlos, verschlagen, maßlos, triebhaft, dumm usw. Nur in wenigen Fällen wurde der Barbar als Folie für Idealisierungen verwendet, beispielsweise um dekadente Tendenzen in der eigenen Gesellschaft zu markieren. Dann war der Barbar genügsam, einfach, unverdorben, gerecht, ehrlich oder fromm. Diese Zuschreibungen erinnern an das Bild des „edlen Wilden“, das sich auch später in der Zeit von Sklaverei und Kolonialismus wiederfinden sollte. Und auch heute funktionieren diese Mechanismen bei der Zuschreibung von Eigen- und Fremdidentitäten. Der Althistoriker Mischa Meier geht der Frage nach, wie Identitätskonzepte wie das des Barbaren historisch entstanden sind, wozu sie mit welchen Folgen für die Betroffenen eingesetzt und wie diese Konzepte weitergeführt wurden. Mischa Meier lehrt Alte Geschichte an der Universität Tübingen. Sein Werk Geschichte der Völkerwanderung (C.H. Beck) wurde mit dem WISSEN!-Sachbuchpreis ausgezeichnet. Mischa Meier Nr. ON011 Mittwoch, 16.11.22, 19:30 – 21:00 Uhr Im Internet von überall aus teilnehmen; Teilnahme kostenfrei. „MACHT EUCH DIE ERDE UNTERTAN. AUFSTIEG UND FALL EINER IDEE“ Der Mensch, der sich als „Krone der Schöpfung“ wähnt und sich mit seiner wissenschaftlich-technologischen Eingriffsmacht „die Erde Untertan“ gemacht hat, schuf ein Modell der Zivilisation, das nicht zukunftsfähig ist. Diese Erzählung war zwar lange erfolgreich, sie kann aber offensichtlich nicht mehr stimmen. Daher müssen wir die DNA unserer Kultur ändern, weg von Naturbeherrschung und Eroberung, hin zu einer anderen Art zu leben, die weniger zerstört. Wir müssen einsehen, dass wir Teil der Natur sind und mit anderen natürlichen Systemen zusammenarbeiten. Die Erde ist stärker als wir. Wir müssen den Menschen und die Gesellschaft neu denken. Philipp Blom ist Historiker und Schriftsteller. Seine Bücher wurden in 16 Sprachen übersetzt. Für sein Buch „Der taumelnde Kontinent. Europa 1900-1914“ erhielt er den NDR Kultur Sachbuchpreis. Dr. Philipp Blom Nr. ON012 Mittwoch, 23.11.22, 19:30 – 21:00 Uhr Im Internet von überall aus teilnehmen; Teilnahme kostenfrei. TROIA: GESCHICHTE UND MYTHOS EINER EWIGEN STADT Es gibt keinen anderen Ort, der wie Troia seit nunmehr fast 3.000 Jahren jede Generation aufs neue fasziniert. Seit den Epen Homers haben die Menschen ein Stadtprospekt und spannende Abenteuer vor Augen, wenn sie den Namen Troia hören. Und seit Schliemann eine Ruine entdeckt hat, der er den Namen Troia gab, gibt es einen Ort zu besichtigen. Doch so klar, wie es scheint, ist es nicht. Troia ist reine Erfindung – ein Ort, den es nie gab. Diese überraschende Beobachtung soll im Vortrag erklärt werden. Martin Zimmermann lehrt Alte Geschichte an der LMU München und Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Prof. Dr. Martin Zimmermann Nr. ON013 Sonntag, 27.11.22, 19:30 – 21:00 Uhr Im Internet von überall aus teilnehmen; Teilnahme kostenfrei. „ÜBERALL, UNBEMERKT UND UNTERSCHÄTZT: WIE UNSER VERHALTEN ALS VERBRAUCHER GESTEUERT WIRD“ Unternehmen und Medien versuchen, uns als Verbraucher gezielt zu steuern. Dies ist nichts Neues in der Konsumgesellschaft, allerdings haben sich die Möglichkeiten (und die Missbrauchsgefahr) durch die Prof. Dr. Mischa Meier Foto: Uni Tübingen Dr. Philipp Blom Foto: Peter Rigaud Prof. Dr. Martin Zimmermann Foto: Christioph Mukherjee

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